Kreislauforientierte Arbeitsplätze: ein Baustein für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft ist die Lösung zur Bewältigung von Umweltkrisen durch effiziente und ausreichende Ressourcennutzung. 

Diese neue Art des Denkens über künftige Kreislaufsysteme geht über die Umweltfragen hinaus, die wir angehen müssen, und bringt Debatten darüber mit sich, wie ein neues System finanziert werden kann und welche Fähigkeiten wir brauchen, um eine neue Wirtschaft auf der Grundlage der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Einer der Bausteine für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft sind die künftigen Arbeitsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten. 

Am 22.09. lud Circular Berlin zu einer Veranstaltung ein, um das Thema zu verstehen und die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in Bezug auf die Beschäftigungsmöglichkeiten zu beleuchten. Die Veranstaltung fand anlässlich des einmonatigen Jubiläums der Eröffnung von NochMall statt, dem neuen Berliner Re-Use-Zentrum, das von der Berliner Stadtreinigung betrieben wird. Die Veranstaltung "Circular Jobs" begann mit einem virtuellen Rundgang durch die Räumlichkeiten, um zu zeigen, wie sie funktionieren, und um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. 

Nach dem virtuellen Rundgang waren die Hauptredner an der Reihe, die aufschlussreiche Vorträge zum Thema "Circular Jobs" hielten. Zunächst sprach Esther Goodwin Brown von Kreislaufwirtschaft, den Rahmen für die Diskussion, indem er die in den Niederlanden durchgeführte Arbeit der Kreislaufwirtschaft vorstellte. (SDie vollständige Präsentation finden Sie hier). Zirkuläre Arbeitsplätze werden als Weg gesehen, um einen positiven Übergang zur Kreislaufwirtschaft für Arbeit und Arbeitnehmer zu gewährleisten. Circle Economy definiert einen CIRCULAR JOB als ‘jede Tätigkeit, die direkt mit einem der Elemente der Kreislaufwirtschaft zu tun hat oder indirekt solche Aktivitäten unterstützt - gemäß Der Rahmen der 7 Schlüsselelemente von Circle Economy’. 

Nach diesem Einblick und dem Verständnis des Rahmens, der hinter Kreislaufwirtschaft und Arbeit steht, hatten wir die Gelegenheit, drei Berliner Beispiele zu erkunden: Reparatur und Wiederverwendung sowie die Rolle von Non-Profit-Organisationen auf dem Kreislaufarbeitsmarkt.

Der zweite Redner, Sebastian Daus, von FixFirst, ein in Berlin ansässiges Startup, stellte seine Vision und sein Bestreben vor, digitale Technologie mit Schwerpunkt auf dem Bereich der Reparatur zu kombinieren. Sebastian hob den wachsenden Markt für gewerbliche Reparaturen in Bereichen wie der Elektronik hervor und erläuterte die Möglichkeiten, die sich daraus für neue Arbeitsplätze ergeben. Ein Beispiel: Für jede 1000 Tonnen Elektronikreparatur werden 200 Arbeitsplätze geschaffen. Sie können sich seinen vollständigen Bericht ansehen Präsentation hier.

NochMall, das Gebrauchtwarenkaufhaus, ist ein Beispiel für ein Unternehmen, dem es gelungen ist, bis zu 20 Arbeitsplätze für Arbeitnehmer zu schaffen. Frieder Soeling, der Vorstandsvorsitzende, erklärte, dass es nicht nur um “große Konzepte” geht, sondern dass es auch entscheidend ist, Mitarbeiter zu haben, die die ‘normalen alltäglichen’ Aufgaben erfüllen können, die bei der Arbeit in einem Geschäft anfallen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt nach wie vor auf den Kundenbeziehungen, der Kundenbindung und der Sicherstellung, dass der Verkauf von Waren aus zweiter Hand“ sich nicht wie der Verkauf von Müll anfühlt. Das NochMall-Team arbeitet hart daran, die alten Gegenstände zu reinigen, zu pflegen und ihnen ein zweites Leben zu geben. Frieder wies darauf hin, dass die Kunden im Secondhand-Laden nicht nur die Waren kaufen, sondern auch ihre gebrauchten Gegenstände mitbringen, deshalb ”muss man immer freundlich sein“, so Frieder. Sehen Sie sich seine Erkenntnisse hier an.

Der letzte Beitrag kam vom Beispiel des Circular Berlin. Wir sind eine Non-Profit-Organisation und arbeiten hauptsächlich mit Hilfe von Freiwilligen. Dies war vielleicht der strittigste Bereich des Vortrags, denn zählt dies tatsächlich als Schaffung von Arbeitsplätzen? Wir glauben, dass es bei unserer Arbeit nicht nur um die Beschäftigung geht, sondern auch um die interne Wirkung, die wir als Organisation erzielen können. In den 2 Jahren unseres Bestehens haben wir etwa 60 Anfragen zur Mitarbeit in unserem Team erhalten. Junge Fachleute sind daran interessiert, ihre ersten Erfahrungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu sammeln. Das ist ein sehr gutes Zeichen, dennoch ist es nicht einfach, ein Gleichgewicht zwischen Beschäftigung und Freiwilligenarbeit zu finden. Dina Padalkina sagt, wenn man etwas verändern wolle, müsse man engagiert und selbstorganisiert bleiben, und für den gemeinnützigen Sektor sei das die wichtigste Eigenschaft, die eine Person haben könne. Sie können unsere Präsentation über unsere Werte sehen hier.

Aber wie können wir die Kreislaufwirtschaft tatsächlich für den Arbeitsmarkt skalieren und zählbar machen? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Bildung. Die Erkenntnisse und das Wissen über die Kreislaufwirtschaft sollten ein Pflichtfach für die Hochschulbildung und auch für Berufsschulen werden. Auch die Umschulung von Menschen, die bereits in Schlüsselberufen tätig sind, die von der Kreislaufwirtschaft profitieren könnten, muss so schnell wie möglich erfolgen, damit der Wandel jetzt beginnt. 

Die Aufzeichnung der Veranstaltung können Sie hier ansehen:

Diese Gemeinschaftsveranstaltung wurde von Dina Padalkina, Jessamy Hardie, Sofia Elisabeth Ratzinger und Doris Knickmeyer für Circular Berlin mitorganisiert. Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich gerne an unser Team wenden: team@circular.berlin. Um über zukünftige Veranstaltungen informiert zu werden, abonnieren Sie unseren Newsletter.