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Stellungnahme: Der Berliner „Wohnungsbau-Turbo“ aus Sicht der Kreislaufwirtschaft
Berlin braucht dringend Wohnraum – doch Schnelligkeit darf nicht zu Lasten von Klima und Ressourcen gehen. Circular Berlin nimmt Stellung zur Berliner Umsetzung des „Wohnungsbau-Turbos“ und fordert eine klare Priorisierung des Bestands sowie verbindliche zirkuläre Kriterien.
Der „Wohnungsbau-Turbo“ soll Planungs- und Genehmigungsverfahren in Berlin beschleunigen. Circular Berlin erkennt den hohen Handlungsdruck ausdrücklich an, warnt jedoch davor, dass das aktuelle Design die Berliner Klima- und Kreislaufwirtschaftsziele im Gebäudesektor gefährdet. Ohne flankierende Maßnahmen laufen wir Gefahr, ressourcenintensive Bauweisen weiter zu fördern.
Referenz: Berliner Leitfaden für den Wohnungsbau-Turbo
Unsere Kernpunkte zur Bewertung
- Fehlende ökologische Anforderungen: Der Wohnungsbau-Turbo enthält bisher keine verbindlichen Vorgaben zur Reduktion von grauen Emissionen, des Energieverbrauchs oder des Rohstoffbedarfs.
- Bestand vor Neubau: Es fehlt eine klare Priorisierung von Sanierung, Umbau und Aufstockung gegenüber Abriss und flächenintensivem Neubau.
- Strukturelle Ursachen der Wohnungsnot: Die Wohnungsnot in Berlin ist nicht allein ein Problem der Quantität, sondern wird maßgeblich durch Ineffizienzen im Bestand (z. B. eingeschränkte Mobilität durch hohe Mieten) verstärkt. Der Fokus auf reinen Neubau adressiert diese Ursachen nicht ausreichend.
Unsere Empfehlungen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung
Um den Wohnungsbau-Turbo mit den Klimazielen in Einklang zu bringen, empfiehlt Circular Berlin folgende Maßnahmen:
- Zirkuläre Steuerung nutzen: Bezirke sollten die „kommunale Zustimmung“ gezielt an zirkuläre Bedingungen knüpfen, wie etwa die Vorlage von Rückbaukonzepten oder Mindestquoten für Re-Use-Bauteile.
- Vorrang für das Bauen im Bestand: Abriss sollte nur als letztes Mittel zugelassen werden. Die vertikale Nachverdichtung (Aufstockung) muss Vorrang vor dem Versiegeln neuer Flächen haben.
- Zirkuläre Infrastruktur mitplanen: Wo Nachverdichtung stattfindet, müssen auch Räume für gemeinschaftliche Nutzungen, Reparatur und Sharing mitgedacht werden.
- Bestandsmobilisierung stärken: Flankierende Maßnahmen wie ein verbesserter Wohnungstausch und die konsequente Belebung von Leerstand sind ressourcenschonende Alternativen zum Neubau.
Fazit
Beschleunigung darf kein Selbstzweck sein. Wir setzen uns für eine Anwendungspraxis ein, die Schnelligkeit mit qualitativer Steuerung und Kreislaufwirtschaft verbindet. Nur so entsteht Wohnraum, der langfristig ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragfähig ist.


