Aus dem Boden auf den Teller – und wieder zurück: Berlins Weg zu einem zirkulären Ernährungssystem

Lebensmittel sind nicht nur etwas, das wir essen - sie sind Teil eines größeren Systems, das Boden, Wasser, Klima und Gemeinschaften miteinander verbindet. In Berlin überdenken wir die Ernährung durch die Linse des Kreislaufwirtschaft: ein Ansatz, der Kreisläufe schließt, Verschwendung reduziert und in jeder Phase Werte schafft.

Wir bei Circular Berlin glauben, dass Lebensmittel die Kraft haben, Kreislaufwirtschaft greifbar, erlebbar und umsetzbar zu machen. Es ist der perfekte Ausgangspunkt, um die Systeme zu verstehen, die unser Leben prägen.

Ob Sie nun ein junger Koch, ein Lebensmitteltechniker, ein Landwirt, ein Beschaffungsspezialist, ein Pädagoge oder einfach ein neugieriger Berliner sind - es ist an der Zeit, das Lebensmittelsystem nicht mehr als gerade Linie zu sehen, sondern als einen Kreis voller Möglichkeiten.

Warum Lebensmittel das Herzstück der Kreislaufwirtschaft sind

Der Lebensmittelsektor ist ein wichtiger Teil der biologische Kreisläufe, wo Ressourcen wie Boden und Wasser ständig in Gebrauch sind und sich bei guter Bewirtschaftung auf natürliche Weise regenerieren können.

Die aktuellen Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette sind kritisch. 

Ausgehend von der Landwirtschaft sind wir mit Bodendegradation, Erosion und dem Verlust der Artenvielfalt aufgrund von Monokulturen konfrontiert. Die Landwirtschaft nutzt 70% des Süßwassers der Welt und produziert etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen, wobei Fleisch und Milchprodukte zu den kohlenstoffintensivsten Produkten gehören.

Bei der Verarbeitung und Beschaffung mangelt es den globalen Lieferketten an Transparenz, was es schwierig macht, Herkunft und Arbeitsbedingungen nachzuvollziehen. Bei der Herstellung von Rezepten werden oft ressourcenintensive Zutaten verwendet, die weit entfernt von ihrem Verwendungsort bezogen werden.

Im weiteren Verlauf des Verbrauchs wird das Thema Abfall aufgegriffen, bis bis 40% aller Lebensmittel gehen verloren oder werden verschwendet global. In Deutschland sind es rund 11 Millionen Tonnen pro Jahr, Vieles davon ist durchaus genießbar. Und es wird wenig getan, um dem Boden durch Kompostierung oder anaerobe Vergärung Nährstoffe zurückzugeben.

Deshalb ist es so wichtig, die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft in das Lebensmittelsystem zu integrieren. 

Kreislaufwirtschaft bei Lebensmitteln bedeutet, das System von Grund auf zu überdenken. Laut Ellen MacArthur-Stiftung Grundsätze:

  1. Arbeiten mit natürlichen Zyklen - Regeneration der Böden, Schutz der Artenvielfalt und Rückführung von Nährstoffen in den Boden.
  2. Nachhaltige Gestaltung von Lebensmitteln - von der Pflanzenvielfalt bis zu recycelten Zutaten und umweltfreundlicher Beschaffung.
  3. Abfallvermeidung in jeder Phase - Vorbeugung zuerst, dann Verwertung, Wiederverwendung und Recycling von unvermeidbaren Verlusten. Die Vermeidung von Lebensmittelverlusten bedeutet erschwinglichere Lebensmittel, stärkere lokale Lieferketten und neue Geschäftsmöglichkeiten in den Bereichen Wiederverwendung, Verarbeitung und Upcycling.
  4. Schaffung einer Bioökonomie - Umwandlung nicht essbarer Nebenprodukte in Kompost, Tierfutter oder biobasierte Materialien.

 

Der Ansatz von Circular Berlin: Bildung zum Handeln

Um den Wandel greifbar zu machen, hat Circular Berlin Fit für die Kreislaufwirtschaft - ein mit der Emil-Fischer-Schule entwickelter Kurs in vier Modulen, der von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und Arbeit finanziert wird MPI-Programm für wirtschaftliche Entwicklung.

Der Kurs richtet sich an Berufsschüler in der Gastronomie und in lebensmittelverwandten Berufen, seine Grundsätze gelten jedoch für alle, die das Lebensmittelsystem mitgestalten:

Modul 1: Einführung in die Kreislaufwirtschaft - Was ist eine Kreislaufwirtschaft und wie können Lebensmittelsysteme die Kreislauflogik einbeziehen? Wir haben uns Beispiele aus dem Non-Food-Bereich angeschaut, um zu sehen, was wir auf den lebensmittelspezifischen Kontext übertragen können. Aber auch der Besuch des Unternehmens Florida Eis, Das Unternehmen, das Speiseeis mit erneuerbaren Energien herstellt, sich auf regionale Zutaten konzentriert und die Kühlemissionen bei der Produktion und beim Transport reduziert, hat diese Erkenntnis noch verstärkt. 

Modul 2: Wertschöpfung durch Landwirtschaft - Wie können Bodengesundheit, Nährstoffkreisläufe und regenerative Praktiken langfristige Werte erhalten? Wir haben uns die lokalen Fallstudien aus Berlin angesehen, wie Melchhofgärtnerei, ein regenerativer Betrieb, der durch die Vielfalt der Kulturen, minimale Bodenbearbeitung und Kompostierung den Nährstoffkreislauf vor Ort aufrechterhält.

Modul 3: Wertschöpfung durch Beschaffung - Welche Rolle spielt die Beschaffung für die Nachhaltigkeit? Wie beeinflussen bewusste Kaufentscheidungen die Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette? Hier hatten wir die Möglichkeit zu erfahren Café Botanico, die Zutaten in einem Permakultur-Garten in Berlin-Neukölln anbaut, ihre Küche direkt beliefert und die Transportemissionen auf nahezu Null reduziert. Oder Happa Berlin - Upcycling von überschüssigen Produkten zu saisonalen Menüs, um zu verhindern, dass essbare Lebensmittel verschwendet werden.

Modul 4: Werterhaltung nach dem Verzehr - Wie tragen Upcycling und Fermentation dazu bei, den Wert von Lebensmitteln zu erhalten und Abfälle zu reduzieren? Welche Strategie gibt es, um Lebensmittelverluste zu vermeiden? Wir können von Praktikern lernen, wie zum Beispiel FREA Bäckerei und Restaurantgründer, Das vegane Null-Abfall-Restaurant verwendet ein geschlossenes Kompostierungssystem, um Küchenabfälle in Erde für seine Lieferanten zu verwandeln, und arbeitet auch direkt mit der Wurzelradikale - ein in Berlin ansässiges Zero-Waste-Lebensmittelunternehmen, das überschüssige und “unvollkommene” Produkte in Gourmetkonserven, Soßen und Gewürze verwandelt und damit beweist, dass Upcycling sowohl lecker als auch skalierbar sein kann.

Jedes Modul verbindet Theorie und Praxis: Beispiele aus der Praxis, Zusammenarbeit in der Gruppe, Input von Experten und praktische Übungen. Die Lernenden untersuchen Fälle wie:

  • Wie kreisförmiges Lebensmitteldesign auf dem Bauernhof beginnt, nicht an der Verpackungslinie.
  • Warum Abfallvermeidung die wirksamste Strategie ist.
  • Wie Unternehmen Verluste bei der Ernte und während der Verarbeitung reduzieren - von Tomaten bis Brot.
  • Die Rolle von Bioökonomielösungen für unvermeidbare Lebensmittelnebenprodukte.

Von der Bildung zum Systemwandel

Lebensmittel sind mehr als Nahrung oder Geschmack - sie sind ein System, eine Reihe von Werten und ein Netz von Entscheidungen. Indem wir den Gedanken der Kreislaufwirtschaft in unsere täglichen Lebensmittelentscheidungen einbeziehen, können wir:

  • Emissionen senken und schützen Wasser und Boden.
  • Wert zurückgewinnen von Lebensmitteln, bevor und nachdem sie auf dem Teller landen.
  • Resilienz aufbauen in Zeiten von Klima- und Wirtschaftsschocks.

Die Arbeit von Circular Berlin in der Lebensmittelerziehung ist ein Ausgangspunkt und eine offene Einladung. Egal, ob Sie Koch, Beschaffungsmanager, Startup-Gründer oder Community-Organisator sind, Sie können helfen, die lineare Lebensmittelkette in ein zirkuläres Lebensmittelsystem zu verwandeln.

 

Denken wir neu über Lebensmittel nach. Bewahren wir Werte. Machen wir Berlin kreisförmig.