R-Strategien für eine zirkuläre Textilwirtschaft

Das Projekt SOLSTICE wird durch das EU-Rahmenprogramm Horizon Europe finanziert und hat zum Ziel, klimaneutrale Praktiken und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie zu fördern. Das Projekt verfolgt einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz, der alle Phasen der Abfallvermeidung berücksichtigt und sich an den 5R-Strategien orientiert: Verwerfen / Reduzieren, Wiederverwenden, Reparieren, Wiederverwenden und Recyceln. Diese Lösungen werden in Demonstrationsprojekten in vier europäischen Städten und Regionen getestet und verfeinert: Grenoble (Frankreich), Prato (Italien), Katalonien (Spanien) und hier in Berlin (Deutschland).

Die Herausforderung

Die Textilindustrie ist weltweit einer der großen Verursacher für Wasser- und Umweltverschmutzung sowie hohe Treibhausgasemissionen. Da die Branche rasant wächst, stehen wir vor erheblichen ökologischen und sozialen Herausforderungen. Europäer:innen kaufen im Durchschnitt fast 26 kg Textilien pro Jahr und werfen davon 11 kg weg. Weniger als 1 % dieses Textilabfalls wird recycelt, während über 70 % verbrannt oder auf Deponien entsorgt werden. Sowohl die Produktion als auch die Entsorgung von Textilien sind umweltschädlich.

Bewusster Konsum und langfristige Nutzung sind der Schlüssel - aber nur 19% der Textilien werden lokal wiederverwendet und nur 0,33% der gekauften Kleidung wird in Berlin repariert, wie die Analyse mit Unterstützung von Circle Economy zeigt. Unser Konsumverhalten ist nicht nachhaltig, das Sammeln von Textilien ist ineffizient und das Recycling mit den vorhandenen Technologien ist zu komplex.

Unser Ansatz

SOLSTICE hat zum Ziel, Methoden und Strategien zur Umsetzung der 5R-Strategien zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf den 4 R´s "Refuse/Reduce, Reuse, Repair, Repurpose", um Bürger bei der Abfallvermeidung einzubinden, den privaten und öffentlichen Sektor bei der Integration zirkulärer Geschäftsmodelle zu unterstützen und die Entwicklung von Industriestandards und politischen Maßnahmen zu fördern.

Als Teil eines Konsortiums von 24 Partnern analysiert Circular Berlin die Textilströme sowie das Geschäftsumfeld und das Verbraucherverhalten in Berlin. Auf Basis der Forschungsergebnisse wird in Zusammenarbeit mit FixFirst und lokalen Reparaturexperten ein Reparaturbonussystem, der REPAIR DEAL, für die Reparatur von Jeanshosen über 14 Monate (18.09.2025 - 30.11.2026) pilotiert. Der Bonus kann einfach über eine digitale Plattform beantragt werden. Die Kunden erhalten einen Rabatt von 50% auf die Reparatur einer Jeanshose.

Der REPAIR DEAL soll den Berlinerinnen und Berlinern den Zugang zu einfachen und bezahlbaren Textilreparaturen ermöglichen. Durch die Förderung einer Kultur des bewussten Konsums schafft das Pilotprojekt ein Win-Win-Ökosystem: Die Kunden erhalten günstige Reparaturen und die Reparaturdienste profitieren von einem wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodell - und gemeinsam reduzieren wir den Textilabfall auf dem Weg zu einer Zero-Waste-City.

Die sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Piloten werden zum Projektende umfassend bewertet, um reproduzierbare Blueprints zu erstellen.

Das Ergebnis

Das SOLSTICE-Projekt unterstützt das nachhaltige Wachstum des Textilsektors, indem es das Bewusstsein der Konsument:innen schärft, das Recycling mit neuen Sortierverfahren verbessert, die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen mithilfe des digitalen Produktpasses sicherstellt und Entscheidungsträger:innen Daten und Leitlinien zur Verfügung stellt.

Der REPAIR DEAL schafft eine belastbare Datengrundlage für den Ausbau dezentraler Reparaturinfrastrukturen und liefert konkrete Handlungsempfehlungen für wirtschaftspolitische Instrumente wie Ökomodulationen zur Förderung einer nachhaltigen, lokalen Circular Economy.

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