{"id":14466,"date":"2026-06-30T10:09:33","date_gmt":"2026-06-30T08:09:33","guid":{"rendered":"https:\/\/circular.berlin\/?p=14466"},"modified":"2026-06-30T10:50:15","modified_gmt":"2026-06-30T08:50:15","slug":"interview-with-roland-stelzer-happylab-vienna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/circular.berlin\/de\/article\/interview-with-roland-stelzer-happylab-vienna\/","title":{"rendered":"Interview mit Roland Stelzer, Happylab Wien"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stell dich und deine Organisation kurz vor: Wer seid ihr, was macht ihr genau und was ist eure Kernmission in ein paar S\u00e4tzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Name ist Roland Stelzer, ich bin Co-Founder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Happylab. Happylab ist ein Makerspace, also eine offene Werkstatt, in der Menschen Zugang zu digitalen Produktionsmaschinen, Werkzeugen, Know-how und einer Community bekommen. Bei uns k\u00f6nnen Mitglieder rund um die Uhr mit 3D-Druckern, Lasercuttern, CNC-Fr\u00e4sen, Elektronik, Holz- und Metallwerkstatt an eigenen Ideen arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Kernmission ist sehr einfach: Wir wollen Menschen bef\u00e4higen, Dinge selbst zu machen, zu reparieren, weiterzuentwickeln und zu verstehen. Nicht jede Idee muss sofort ein Start-up werden und nicht jedes kaputte Objekt muss im M\u00fcll landen. Aber jede Person sollte die M\u00f6glichkeit haben, vom reinen Konsumieren ins aktive Gestalten zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14479\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/7.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gab es ein konkretes Objekt, eine Szene in einer Werkstatt oder eine Beobachtung im Alltag, bei der du dachtest: Die Art, wie wir als Gesellschaft konsumieren, alles neu kaufen und wegen Kleinigkeiten wegwerfen, ist schlichtweg absurd? Welches Problem im linearen System wolltet ihr l\u00f6sen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich war es weniger ein einzelnes Objekt, sondern eine wiederkehrende Beobachtung: Viele Dinge scheitern nicht daran, dass sie wirklich kaputt oder unbrauchbar sind, sondern daran, dass niemand mehr Zugang zu Werkzeug, Ersatzteilen, Wissen oder Zeit hat. Ein kleines Kunststoffteil bricht, ein Geh\u00e4use ist nicht mehr lieferbar, eine Halterung passt nicht \u2013 und pl\u00f6tzlich wird ein ganzes Produkt ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist absurd, weil die eigentliche Ressource oft noch vorhanden ist. Das Problem im linearen System ist: Produktion und Konsum sind entkoppelt. Die meisten Menschen wissen nicht mehr, wie Dinge entstehen, wie sie aufgebaut sind oder wie sie ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen. Genau da setzen wir an. Wenn man Zugang zu Maschinen, Wissen und einer unterst\u00fctzenden Community schafft, wird aus \u201ewegwerfen und neu kaufen\u201c sehr oft \u201everstehen, reparieren, verbessern oder neu denken\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was sind eure gr\u00f6\u00dften Erfolge bisher?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Erfolg ist sicher, dass aus einer kleinen Kellerwerkstatt eine professionelle offene Werkstatt-Infrastruktur geworden ist, die heute zu den gr\u00f6\u00dften Maker-Communities Europas z\u00e4hlt. Happylab hat aktuell Standorte in Wien und Berlin und \u00fcber 2.000 Mitglieder. In Wien betreiben wir heute einen rund 900 m\u00b2 gro\u00dfen Makerspace mit 24\/7-Zugang, Werkst\u00e4tten, digitalen Produktionsmaschinen, Coworking und Schulungsangeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders greifbar werden unsere Erfolge in den Nutzungszahlen. Im Rahmen des Happylab Innovation Cluster haben 2.278 Personen ihre Projekte bei uns umgesetzt. Die Maschinen wurden in diesem Zeitraum 282.104 Mal verwendet. Insgesamt kamen 107.261 Maschinenstunden zusammen, davon 57.169 Stunden 3D-Druck. Das sind nicht nur beeindruckende Zahlen, sondern auch sehr viele Momente, in denen Menschen Dinge selbst entwickelt, repariert, getestet oder in Kleinserie umgesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommen unz\u00e4hlige Projekte aus der Community: Prototypen von Start-ups, Architekturmodelle, M\u00f6bel, Ersatzteile, Kunstprojekte, Bildungsprojekte, Produkte in Kleinserie und Experimente, die es ohne offenen Zugang zu dieser Infrastruktur wahrscheinlich nie gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14477\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es eine bestimmte Anekdote aus der t\u00e4glichen Arbeit mit eurer Community oder der Politik, die du immer wieder erz\u00e4hlst, weil sie den Sinn eures Projekts perfekt auf den Punkt bringt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ich immer wieder erz\u00e4hle, ist dieser typische Moment, wenn jemand zum ersten Mal ins Happylab kommt und sagt: \u201eIch bin eigentlich nicht technisch.\u201c Zwei Wochen sp\u00e4ter steht dieselbe Person am Lasercutter, baut ein eigenes Objekt, diskutiert Materialst\u00e4rken und hilft vielleicht schon der n\u00e4chsten Person weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigt f\u00fcr mich den eigentlichen Sinn des Projekts. Es geht nicht nur um Maschinen. Es geht um Selbstwirksamkeit. Menschen merken: Ich kann Dinge verstehen. Ich kann etwas herstellen. Ich kann ein Problem l\u00f6sen, ohne darauf zu warten, dass ein fertiges Produkt am Markt existiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in einer Zeit, in der Technologie oft als Blackbox erlebt wird, ist das enorm wichtig. Ein Makerspace \u00f6ffnet diese Blackbox ein St\u00fcck weit. Er macht Technologie physisch, zug\u00e4nglich und sozial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was war die gr\u00f6\u00dfte finanzielle oder regulatorische H\u00fcrde beim Aufbau einer offenen Werkstatt-Infrastruktur in Wien und wie habt ihr sie geknackt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde war sicher, dass ein professioneller Makerspace eine sehr kapitalintensive Infrastruktur ist, aber gleichzeitig niederschwellig und leistbar bleiben soll. Hochwertige Maschinen, Sicherheitssysteme, Raum, Personal, Wartung, Schulungen und Versicherung kosten viel Geld. W\u00fcrde man diese Kosten eins zu eins auf die Nutzer*innen umlegen, w\u00e4re das Angebot nicht mehr offen und inklusiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim neuen Standort im Stuwerviertel war deshalb die Finanzierung entscheidend. Wir haben insgesamt rund 1,5 Millionen Euro investiert. Die H\u00e4lfte davon kam aus Eigenmitteln, die andere H\u00e4lfte \u00fcber F\u00f6rderungen durch FFG und Wirtschaftsagentur Wien. Das war der Hebel, um aus einer klassischen offenen Werkstatt eine professionelle Innovationswerkstatt zu machen, die auch f\u00fcr Start-ups, KMU und anspruchsvollere Projekte funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Regulatorisch ist die Herausforderung, dass man eine Werkstatt betreibt, die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ist, aber mit Maschinen arbeitet, die normalerweise in sehr kontrollierten industriellen Umgebungen stehen. Die L\u00f6sung war ein sehr konsequentes System aus Einschulungen, Zugangsberechtigungen, Dokumentation, klaren Regeln und einer Kultur der Verantwortung. Offenheit funktioniert nur, wenn Sicherheit und Qualit\u00e4t professionell organisiert sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14478\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie erreicht ihr eure Zielgruppe effektiv? Welche Kommunikationswege funktionieren f\u00fcr euch am besten und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Zielgruppe ist sehr divers: Studierende, Designerinnen, Architektinnen, K\u00fcnstlerinnen, Start-ups, KMU, Sch\u00fclerinnen, Lehrlinge, Hobby-Maker, Reparaturinteressierte und Menschen, die einfach ein konkretes Problem l\u00f6sen wollen. Deshalb funktioniert kein einzelner Kanal allein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr wichtig sind f\u00fcr uns Social Media, weil dort Projekte sichtbar werden. Wenn Menschen sehen, was andere gebaut haben, entsteht sofort die Frage: \u201eK\u00f6nnte ich das auch?\u201c Newsletter funktionieren gut f\u00fcr unsere bestehende Community, etwa f\u00fcr Workshops, neue Maschinen oder Open Calls. Klassische PR ist wichtig, um ein breiteres Publikum zu erreichen und das Thema Making aus der Nische zu holen. Events, F\u00fchrungen und offene Formate sind aber wahrscheinlich am st\u00e4rksten, weil man die Atmosph\u00e4re eines Makerspace schwer abstrakt erkl\u00e4ren kann. Man muss den Raum sehen, die Maschinen h\u00f6ren und die Projekte anfassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am besten funktioniert Kommunikation immer dann, wenn nicht wir erkl\u00e4ren, wie gro\u00dfartig unsere Infrastruktur ist, sondern wenn echte Projekte aus der Community sichtbar werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14475\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie wichtig ist eine starke visuelle Identit\u00e4t f\u00fcr euren Erfolg? Was hat geholfen, ein breiteres Publikum anzusprechen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine starke visuelle Identit\u00e4t ist sehr wichtig, aber nicht im Sinne von Hochglanz. Sie muss Vertrauen schaffen und gleichzeitig vermitteln: Das ist ein Ort, an dem ich willkommen bin, auch wenn ich noch keine Expertin oder kein Experte bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maker-Kultur kann schnell sehr technisch, m\u00e4nnlich und einsch\u00fcchternd wirken. Eine klare, freundliche und zug\u00e4ngliche Kommunikation hilft, diese Schwelle zu senken. Wir haben gelernt, nicht nur Maschinen zu zeigen, sondern Menschen, Projekte und konkrete Anwendungssituationen. Ein Lasercutter ist f\u00fcr viele abstrakt. Ein selbst gebautes M\u00f6belst\u00fcck, ein repariertes Teil, ein Schmuckst\u00fcck oder ein Prototyp erz\u00e4hlt sofort eine Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Marke hilft also dabei, aus \u201eHigh-Tech-Werkstatt\u201c einen M\u00f6glichkeitsraum zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie bewertet ihr die Unterst\u00fctzung durch die Stadt Wien? Agiert die Verwaltung als Enabler oder eher als Bremse? Gibt es spezifische Netzwerke, ohne die euer Modell so vielleicht gar nicht funktionieren w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Erfahrung mit Wien ist \u00fcberwiegend positiv. Nat\u00fcrlich gibt es in jeder Verwaltung Prozesse, die dauern und manchmal Geduld verlangen. Aber grunds\u00e4tzlich haben wir Wien als Stadt erlebt, die offene Innovationsinfrastruktur, Start-ups, Bildung, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft ernst nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Netzwerke wie die Wirtschaftsagentur Wien, die FFG, Bildungsinstitutionen, Design- und Kreativnetzwerke sowie europ\u00e4ische Programme w\u00e4re unser Modell in dieser Form deutlich schwieriger umzusetzen gewesen. Ein Makerspace ist kein klassisches Unternehmen, aber auch keine klassische Bildungseinrichtung und kein reines Kulturprojekt. Er liegt genau dazwischen. Deshalb braucht es Partner, die hybride Modelle verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadt und ihre Institutionen waren f\u00fcr uns an entscheidenden Punkten Enabler \u2013 vor allem dort, wo es darum ging, Infrastruktur aufzubauen, die nicht nur einzelnen Unternehmen hilft, sondern einem ganzen Innovations\u00f6kosystem.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14474\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was an eurem Konzept lie\u00dfe sich als Blaupause sofort auf andere europ\u00e4ische St\u00e4dte \u00fcbertragen und was ist vielleicht zu spezifisch f\u00fcr Wien, um es woanders zu kopieren? Welche Learnings gab es bei der Expansion, etwa nach Berlin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbertragbar ist vor allem das Grundprinzip: niederschwelliger Zugang zu professioneller Produktionsinfrastruktur, kombiniert mit Einschulungen, Community, 24\/7-Zugang und einem klaren Selbstmach-Ansatz. Auch das Mitgliedschaftsmodell, die standardisierten Einschulungen, die Kombination aus Werkstatt und Coworking sowie die klare Trennung zwischen \u201eWir produzieren nicht f\u00fcr dich\u201c und \u201eWir bef\u00e4higen dich, selbst zu produzieren\u201c lassen sich gut \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht eins zu eins kopierbar sind Standortlogik, F\u00f6rderlandschaft, Immobilienpreise, Verwaltungskultur und lokale Zielgruppen. In Wien funktioniert vieles \u00fcber langfristige Netzwerke, \u00f6ffentliche Innovationsf\u00f6rderung und eine relativ starke Kultur der institutionellen Kooperation. In Berlin ist die Szene gr\u00f6\u00dfer, internationaler und st\u00e4rker fragmentiert. Dort muss man noch klarer positionieren, f\u00fcr wen man da ist und wie man sich in ein bereits sehr dichtes Kreativ- und Start-up-\u00d6kosystem einf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wichtigste Learning: Man kann Maschinen und Prozesse kopieren, aber nicht Community. Community muss lokal wachsen. Man braucht vor Ort Menschen, die den Raum tragen, moderieren und \u00fcbersetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kreislaufwirtschaft und Maker-Kultur verlangen unglaublich viel Geduld und oft auch eine gewisse Sturheit. Bist du von Natur aus ein rebellischer Mensch, oder hat die Arbeit mit dem System dich erst dazu gemacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde mich nicht als rebellisch im klassischen Sinn bezeichnen. Aber ich habe sicher eine gewisse Grundskepsis gegen\u00fcber dem Satz: \u201eDas geht nicht.\u201c Happylab ist im Grunde aus genau dieser Haltung entstanden. Wir wollten Zugang zu Maschinen und Werkzeugen, also haben wir ihn geschaffen. Dann haben wir gemerkt, dass andere Menschen denselben Bedarf haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit mit dem System macht einen nicht unbedingt rebellisch, aber sie macht einen hartn\u00e4ckig. Man lernt, dass Ver\u00e4nderung selten durch eine gro\u00dfe Geste entsteht, sondern durch viele kleine Schritte: ein F\u00f6rderantrag, eine Genehmigung, eine Einschulung, ein neues Sicherheitskonzept, ein Gespr\u00e4ch mit einer Institution, ein neues Format f\u00fcr die Community. Man braucht Geduld, aber auch die Bereitschaft, Dinge immer wieder zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14473\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn man tagt\u00e4glich sieht, was Menschen selbst reparieren oder bauen k\u00f6nnen, wenn man ihnen nur die Maschinen gibt: Ver\u00e4ndert das den Blick, wie du privat durch die Stadt spazierst? Siehst du Schaufenster, kaputte Gegenst\u00e4nde und den Konsumzwang jetzt mit anderen Augen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, absolut. Wenn man jeden Tag sieht, was Menschen selbst herstellen k\u00f6nnen, ver\u00e4ndert sich der Blick auf Produkte. Man sieht nicht mehr nur fertige Dinge, sondern Material, Konstruktion, Verbindungen, Schwachstellen und M\u00f6glichkeiten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich ertappe mich oft dabei, dass ich bei einem Gegenstand denke: Das k\u00f6nnte man reparieren. Das k\u00f6nnte man besser konstruieren. Dieses Ersatzteil k\u00f6nnte man drucken. Diese Halterung k\u00f6nnte man fr\u00e4sen. Dieser Defekt m\u00fcsste nicht das Ende des Produkts sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig wird einem bewusster, wie stark unser Alltag auf Bequemlichkeit und Austauschbarkeit ausgerichtet ist. Viele Dinge sind so gestaltet, dass Reparatur unattraktiv oder fast unm\u00f6glich wird. Die Maker-Perspektive ist da ein Gegengewicht: Sie zeigt, dass Konsum nicht die einzige Beziehung ist, die wir zu Dingen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn du die urspr\u00fcngliche Idee mit der heutigen Realit\u00e4t vergleichst: An welchem Punkt musstest du das Konzept am st\u00e4rksten anpassen, weil die Theorie der Praxis nicht standgehalten hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am st\u00e4rksten mussten wir die Idee anpassen, dass ein Makerspace einfach durch offenen Zugang funktioniert. Am Anfang denkt man: Man stellt Maschinen hin, macht die T\u00fcr auf, und die Community organisiert sich schon. In der Praxis braucht Offenheit sehr viel Struktur.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14476\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4-300x200.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4-768x512.jpg 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4-18x12.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/4.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben gelernt, dass ein guter Makerspace nicht nur aus Maschinen besteht, sondern aus Prozessen: Einschulungen, Reservierungssysteme, Wartung, Sicherheit, Kommunikation, Community-Management, klare Regeln und guter Support. Je professioneller die Infrastruktur wird, desto wichtiger wird diese unsichtbare Arbeit im Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Anpassung war die Zielgruppe. Urspr\u00fcnglich kamen vor allem technologieaffine Bastlerinnen und Maker. Heute arbeiten bei uns auch Start-ups, Designerinnen, K\u00fcnstlerinnen, Studierende, Schulen, KMU und Menschen ohne technische Vorerfahrung. Das hat unsere Sprache, unsere Formate und unsere Verantwortung ver\u00e4ndert. Wir m\u00fcssen nicht nur Expertinnen bedienen, sondern Einstieg erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundidee ist aber gleich geblieben: Menschen sollen Zugang zu Werkzeugen, Wissen und Community bekommen, damit sie ihre Ideen selbst umsetzen k\u00f6nnen. Nur wissen wir heute viel besser, wie viel professionelle Infrastruktur n\u00f6tig ist, damit diese Freiheit wirklich funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Roland Stelzer<br>Happylab GmbH<br><a href=\"mailto:info@happylab.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">info@happylab.at<\/a><br><a href=\"http:\/\/www.happylab.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.happylab.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Briefly introduce yourself and your organization: Who are you, what exactly do you do, and what is your core mission in a few sentences? My name is Roland Stelzer, I am the co-founder and managing director of Happylab. 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