{"id":14786,"date":"2026-08-26T10:36:28","date_gmt":"2026-08-26T08:36:28","guid":{"rendered":"https:\/\/circular.berlin\/?p=14786"},"modified":"2026-08-26T13:57:49","modified_gmt":"2026-08-26T11:57:49","slug":"interview-with-fairkauf-eg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/circular.berlin\/de\/interview\/interview-with-fairkauf-eg\/","title":{"rendered":"Interview with Nicola Barke von fairKauf eG"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-group is-content-justification-left is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-0b1ff286 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The interview is part of the EUKI project:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border wp-container-content-b0827016\" style=\"margin-top:0;margin-right:0;margin-bottom:0;margin-left:0\"><a href=\"https:\/\/www.euki.de\/euki-projects\/vibe-wertschoepfung-durch-verhaltensorientiertes-engagement\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"938\" height=\"625\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Blue_Logo_Vibe.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-14008\" style=\"border-style:none;border-width:0px\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Blue_Logo_Vibe.png 938w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Blue_Logo_Vibe-300x200.png 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Blue_Logo_Vibe-768x512.png 768w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Blue_Logo_Vibe-18x12.png 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 938px) 100vw, 938px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was genau macht ihr, und warum habt ihr euch f\u00fcr die Rechtsform einer Genossenschaft (eG) entschieden? Was ist der Vorteil davon, dass normale B\u00fcrger:innen Anteile halten, im Vergleich zu einem klassischen Unternehmen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Engagement vor Ort. Einbeziehung der Stadtgesellschaft, von der auch der Erfolg der Genossenschaft abh\u00e4ngt: Lieferung von Sachspenden, Einkauf von Waren, ehrenamtliche Mitarbeit. Gr\u00f6\u00dferer Bekanntheitsgrad vor Ort, Kenntnis des Unternehmenszweck f\u00fchrt zu gr\u00f6\u00dferer Akzeptanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fairKauf eG verbindet soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Handeln. In unseren acht Secondhand-Kaufh\u00e4usern verkaufen wir gut erhaltene Sachspenden und qualifizieren gleichzeitig langzeitarbeitslose Menschen f\u00fcr den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist es, Menschen neue berufliche Perspektiven zu er\u00f6ffnen und gleichzeitig Ressourcen zu schonen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Genossenschaftsform ist daf\u00fcr die ideale Rechtsform. Sie steht f\u00fcr Mitbestimmung, demokratische Entscheidungen und gesellschaftliche Verantwortung. Bei uns gilt: Ein Mitglied \u2013 eine Stimme, unabh\u00e4ngig von der H\u00f6he der Beteiligung. Unsere Mitglieder gestalten die Entwicklung der Genossenschaft aktiv mit. Anders als bei einem klassischen Unternehmen steht nicht die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt, sondern der nachhaltige Nutzen f\u00fcr Mensch, Gesellschaft und Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"536\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14846\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7-300x157.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7-766x401.jpg 766w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7-18x9.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/7.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gab es eine konkrete Beobachtung im Alltag, vielleicht bei Haushaltsaufl\u00f6sungen oder beim Sperrm\u00fcll, bei der klar wurde: Wir m\u00fcssen dem Wegwerfen von intakten Dingen ein professionelles System entgegensetzen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee f\u00fcr ein Secondhand-Kaufhaus entstand zu einer Zeit der steigenden Arbeitslosenzahlen und der Erkenntnis, dass es zu wenig Unterst\u00fctzung f\u00fcr Menschen mit sinkender Kaufkraft gibt. Bei der Suche nach L\u00f6sungsans\u00e4tzen f\u00fcr das Problem war schnell klar, dass es eine sich selbst tragende, nachhaltige und zukunftsgerichtete L\u00f6sung sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bisherigen Anlaufstellen, wie z.B. Kleiderkammern, Tafeln etc. wurden unserem Menschenbild nicht vollst\u00e4ndig gerecht. Sie sind zwar nach wie vor notwendig, aber die W\u00fcrde des Menschen wird aus unserer Sicht nicht ausreichend beachtet, indem Almosen verteilt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der L\u00f6sungsweg wurde durch Beobachtungen gefunden, dass t\u00e4glich viele gut erhaltene M\u00f6bel, Haushaltsgegenst\u00e4nde oder Elektroger\u00e4te entsorgt werden, obwohl sie noch problemlos genutzt werden k\u00f6nnten. Gleichzeitig gab es viele Menschen, die sich Neuanschaffungen kaum leisten konnten. Daraus entstand der Gedanke, ein professionelles System zu schaffen, das beides verbindet: Wiederverwendung statt Wegwerfen und gleichzeitig Qualifizierung sowie Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Und beides st\u00fctzt den urspr\u00fcnglichen Ansatz, Menschen mit geringem Einkommen zu unterst\u00fctzen. Zus\u00e4tzlich wird der Gedanke der Ressourcenschonung in den Fokus ger\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"536\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14847\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3-300x157.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3-766x401.jpg 766w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3-18x9.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/3.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihr kommuniziert auf eurer Webseite sehr deutlich, dass ihr nur intakte, gut erhaltene M\u00f6bel, Elektroartikel und Hausrat annehmt. Wie schwer ist es im Alltag, den Menschen klarzumachen, dass fairKauf keine kostenlose Entsorgungsstation f\u00fcr kaputten Sperrm\u00fcll ist?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist tats\u00e4chlich eine unserer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. Viele Menschen verwechseln eine Spende leider mit einer kostenlosen Entsorgung. Dabei verursacht die Entsorgung besch\u00e4digter oder verschmutzter Gegenst\u00e4nde f\u00fcr uns erhebliche Kosten \u2013 Personalkosten, Entsorgungskosten, Transport- und Lagerkapazit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als gemeinn\u00fctzige Genossenschaft m\u00f6chten wir unsere Mittel jedoch in unsere soziale Arbeit investieren und nicht in M\u00fcllentsorgung. Deshalb informieren wir sehr transparent dar\u00fcber, welche Sachspenden wir annehmen k\u00f6nnen. Die meisten Menschen haben Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn wir erkl\u00e4ren, dass wir nur Dinge \u00fcber-nehmen k\u00f6nnen, die wir auch weiterverkaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"536\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14848\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4-300x157.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4-766x401.jpg 766w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4-18x9.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein zentraler Punkt von fairKauf ist die Qualifizierung und Besch\u00e4ftigung von Langzeitarbeitslosen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Gefl\u00fcchteten. Wie schwer ist der Spagat, einerseits ein unternehmerisch erfolgreiches Kaufhaus zu betreiben und andererseits den Mitarbeitenden den n\u00f6tigen sozialp\u00e4dagogischen Raum zu geben?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Spagat geh\u00f6rt zu unserem Alltag. Es gilt die Balance zu finden zwischen sozialer Zielsetzung\/Qualifizierung und Umsatz, damit alles finanziert werden kann. Unsere Mitarbeitenden bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit, sowohl die sozialversicherungspflichtig Angestellten, als auch die in Besch\u00e4ftigungsf\u00f6rde-rungsma\u00dfnahmen. Die Ma\u00dfnahme-Teilnehmenden ben\u00f6tigen teilweise intensive Begleitung. Deshalb arbeiten bei uns Sozialp\u00e4dagoginnen und Sozialp\u00e4dagogen eng mit den Fachanleitungen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung schlie\u00dfen sich dabei nicht aus \u2013 im Gegenteil. Unsere Qualifizierung findet direkt im Arbeitsalltag statt. Das erfordert Geduld, Zeit und Flexibilit\u00e4t, ist aber genau das, was fairKauf ausmacht. Qualifi-zierung f\u00fcr die Praxis in der Praxis durch Integration ins Team.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Stammpersonal ist nicht nur fachlich gut geschult, sondern bekommt auch ausreichend M\u00f6glichkeit sich pers\u00f6nlich weiterzuentwickeln, um das notwendige Handwerkszeug f\u00fcr den Alltag bei fairKauf zu haben. Das geht los mit Erste-Hilfe-, Brandschutz-, Suchtpr\u00e4ventionsschulungen \u00fcber Ausbildereignungspr\u00fcfung, Coaching f\u00fcr Anleitende und F\u00fchrungskr\u00e4fteschulung bis zu Resilienz-Workshops, Ausbildung zu seelischen Ersthelfern und Rehabilitationsp\u00e4dagogischer Zusatzausbildung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungew\u00f6hnliche Vorkommnisse sind bei uns durchaus h\u00e4ufiger, als in anderen Unternehmen, k\u00f6nnen aber durch unsere Anleitenden gut geh\u00e4ndelt bzw. gleich vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"628\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14849\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6-300x157.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6-766x401.jpg 766w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6-18x9.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/6.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bei euch darf jede:r einkaufen, aber Menschen mit geringem Einkommen bekommen zus\u00e4tzlich 20 % Rabatt. Wie wichtig ist es f\u00fcr das Konzept, dass in euren H\u00e4usern Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger und Menschen, die wirklich auf g\u00fcnstige Waren angewiesen sind, aufeinandertreffen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist sogar ein wesentlicher Bestandteil unseres Konzepts. Unsere Kaufh\u00e4user sind bewusst f\u00fcr alle Menschen ge\u00f6ffnet. Dadurch entsteht ein lebendiger Mix unterschiedlicher Kundengruppen. Menschen mit geringem Einkommen profitieren zus\u00e4tzlich von unserem Sozialrabatt, gleichzeitig entdecken viele Kundinnen und Kunden Secondhand aus \u00dcberzeugung oder Nachhaltigkeitsgr\u00fcnden. Diese Vielfalt tr\u00e4gt dazu bei, Ber\u00fchrungs\u00e4ngste abzubauen und zeigt, dass Nachhaltigkeit und soziale Teilhabe alle Menschen verbinden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig ist auch, dass bei uns niemand ausgegrenzt wird. Es gibt keine Diskriminierung. Da jede:r bei uns einkaufen kann, sind die Kund:innen nicht als \u201eBed\u00fcrftige\u201c abgestempelt, nur weil sie bei uns durch die T\u00fcr gehen. Gleichzeitig hat der normale Kundenmix den Vorteil, dass wir in Beratungsgespr\u00e4chen und Abl\u00e4ufen eben ein ganz normaler Einzelhandel sind, so dass unsere Qualifizierungsteil-nehmenden und Auszubildenden auch f\u00fcr andere Arbeitgeber ger\u00fcstet sind. Die Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger bringen zus\u00e4tzlich Warenspenden und wichtigen Verkaufs-umsatz, um die Finanzierung nachhaltig zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">D\u00fcften wir nur an \u201eBed\u00fcrftige\u201c verkaufen, w\u00fcrde das nachhaltige Konzept nicht mehr funktionieren. Wir w\u00e4ren dann nur ein Projekt, das mit Ende des Projektgeldes eben auch beendet w\u00e4re. So sind wir ein gemeinn\u00fctziges Unternehmen, dass Kaufh\u00e4user zur Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Menschen betreibt und dieses aus dem eigenen Umsatz finanziert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"536\" src=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14850\" srcset=\"https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8-300x157.jpg 300w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8-766x401.jpg 766w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8-18x9.jpg 18w, https:\/\/circular.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihr betreibt acht Standorte in und um Hannover und seid damit eine der gr\u00f6\u00dften Initiativen dieser Art. Habt ihr konkrete Zahlen, wie viele Menschen durch euch den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt geschafft haben? Und: Was hindert uns daran, ein System wie fairKauf in jeder deutschen Gro\u00dfstadt aufzubauen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit unserer Gr\u00fcndung haben mehrere tausend Menschen an Qualifizierungs- und Besch\u00e4ftigungsma\u00dfnahmen bei fairKauf teilgenommen. Ein gro\u00dfer Teil von ihnen konnte anschlie\u00dfend wieder eine Besch\u00e4ftigung aufnehmen oder in eine Ausbildung starten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 80 Prozent unserer sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten waren fr\u00fcher selbst arbeitslos, z.T. langzeitarbeitslos. D.h. wir haben bei fairKauf selbst zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Modell wie fairKauf l\u00e4sst sich grunds\u00e4tzlich auch an anderen Standorten umsetzen. In vielen St\u00e4dten wird das auch praktiziert, allerdings haupts\u00e4chlich in anderen Gesellschaftsformen oder unter dem Dach eines Tr\u00e4gers. Voraussetzung sind starke, engagierte und mutige Partner aus Politik, Finanzverwaltung, Jobcenter, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie ein langfristiger Finanzierungsansatz. Kooperationen aufzubauen ben\u00f6tigt Zeit und gemeinsames Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie finanziert sich dieses riesige Konstrukt aus L\u00e4den, Logistik und Personalbetreuung letztendlich? Und wie erlebt ihr die Unterst\u00fctzung durch die Stadtverwaltung Hannover oder das Jobcenter \u2013 sind das Treiber eurer Idee oder k\u00e4mpft ihr oft mit B\u00fcrokratie?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Finanzierung basiert auf mehreren S\u00e4ulen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil erwirtschaften wir durch den Verkauf unserer Secondhand-Waren selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommen Gelder von Institutionen, f\u00fcr die wir Dienstleistungen erbringen, z.B. F\u00f6rdermittel f\u00fcr Qualifizierungsma\u00dfnahmen wie AGH (Arbeitsgelegenheiten) durch das JobCenter. Diese decken i.d.R. die Kosten f\u00fcr unsere Sozialarbeiter:innen und anteilig f\u00fcr Anleitende. In enger Zusammenarbeit mit Jobcenter, Arbeitsagentur, Reha-Tr\u00e4gern erhalten wir Zusch\u00fcsse f\u00fcr die Einstellung von Langzeitarbeitslosen. Diese kann jedoch jedes Unternehmen erhalten, wenn sie sich die M\u00fche der Einarbeitung und Unterst\u00fctzung machen wollen. Die Stadt Hannover unterst\u00fctzt die Ausbildung von jungen Menschen mit Vermittlungshemmnissen durch einen m\u00f6glichen Ausbildungszuschuss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gew\u00e4hren Menschen mit geringem Einkommen 20 % Rabatt auf den Verkaufs-preis. 19 % unserer Kunden nehmen das regelm\u00e4\u00dfig in Anspruch, d.h. wir gew\u00e4hren knapp 260 T\u20ac Rabatte p.A. Die LHH erstattet uns in den letzten Jahren \u2013 je nachdem wie das st\u00e4dtische S\u00e4ckel gef\u00fcllt ist \u2013 30 T\u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich fragen wir vor geplanten Projekten nat\u00fcrlich nach Unterst\u00fctzung bei Stiftungen, Klosterkammer, Banken etc. Diese Betr\u00e4ge sind insgesamt jedoch zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Partnerschaften\/Kooperationen sind f\u00fcr unsere Arbeit unverzichtbar. Gleich-zeitig erleben auch wir die Herausforderungen b\u00fcrokratischer Prozesse und sich ver\u00e4ndernder gesetzlicher Rahmenbedingungen. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Umso wichtiger ist ein kontinuierlicher Dialog zwischen allen Beteiligten, damit soziale Besch\u00e4ftigungsprojekte langfristig erfolgreich arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn man tagt\u00e4glich Tonnen von gespendeten, aber v\u00f6llig intakten Dingen sortiert: Ver\u00e4ndert das den pers\u00f6nlichen Blick auf unsere Konsumgesellschaft? Seht ihr Schaufenster, Black-Friday-Angebote oder Sperrm\u00fcll jetzt mit anderen Augen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Definitiv. Wer t\u00e4glich erlebt, wie viele hochwertige und funktionierende Gegenst\u00e4nde aussortiert werden, entwickelt automatisch einen anderen Blick auf Konsum. Viele Produkte haben eine deutlich l\u00e4ngere Lebensdauer, als sie tats\u00e4chlich genutzt werden. Das zeigt, wie wichtig Wiederverwendung und bewusster Konsum sind. Gleichzeitig sehen wir auch, dass der Anteil an nicht reparierbaren Artikeln in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist und die Notwendigkeit hier bewusst gegenzusteuern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Secondhand ist l\u00e4ngst nicht mehr nur eine g\u00fcnstige Alternative, sondern ein aktiver Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn ihr die urspr\u00fcngliche Idee, mit der fairKauf 2008 gestartet ist, mit der heutigen Realit\u00e4t vergleicht: An welchem Punkt musstet ihr das Konzept am st\u00e4rksten anpassen, weil die Theorie der Praxis nicht standgehalten hat?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich in der ersten Verkaufswoche haben wir erkannt, dass unsere Planung - x Kunden kaufen f\u00fcr den Betrag y ein - nur in Bezug auf den geplanten Gesamtumsatz korrekt war. Es haben vom ersten Tag an deutlich mehr Kunden jeden Tag f\u00fcr einen deutlich geringeren Durchschnittswert eingekauft. Somit passte unsere Personalplanung nicht und auch unsere Logistik nicht. Wir mussten so viel schneller wachsen \u2013 Mitarbeitende einstellen, Lkw kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundidee ist jedoch bis heute unver\u00e4ndert geblieben: Menschen qualifizieren, Ressourcen schonen und gut erhaltenen Dingen ein zweites Leben schenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ver\u00e4ndert haben sich die Rahmenbedingungen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>-\tKontinuierlicher R\u00fcckgang der Sachspendenqualit\u00e4t<\/li>\n\n\n\n<li>-\tSteigende Kosten f\u00fcr Personal, Logistik, Entsorgung, \u2026<\/li>\n\n\n\n<li>-\tFachkr\u00e4ftemangel<\/li>\n\n\n\n<li>-\tReduzierung der F\u00f6rdermittel f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsf\u00f6rderung<\/li>\n\n\n\n<li>-\tSteigende Anforderungen durch B\u00fcrokratie, Datenschutz, Digitalisierung<\/li>\n\n\n\n<li>-\tKaufzur\u00fcckhaltung durch Energiekrise, Wirtschaftskrise, Krieg, \u2026<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb mussten wir \u2013 gegen unsere \u00dcberzeugung \u2013 z.B. unsere Annahmekriterien deutlich versch\u00e4rfen. Die kontinuierliche Entwicklung der Prozesse und ein Blick f\u00fcr relevante Ver\u00e4nderungen im Umfeld\/Gesch\u00e4ftsbereich ist f\u00fcr alle Unternehmen ohnehin eine Grundvoraussetzung, das ist bei uns nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Anforderungen an Qualifizierung und Integration sind vielf\u00e4ltiger geworden. Unsere St\u00e4rke liegt darin, dass wir uns diesen Ver\u00e4nderungen anpassen, ohne unsere sozialen Werte und Ziele aus den Augen zu verlieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The interview is part of the EUKI project: What exactly do you do, and why did you choose the legal form of a cooperative (eG)? What is the advantage of regular citizens holding shares compared to a traditional company? Local engagement. 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