Im Rahmen von LOOPTOPIA haben wir mit Svenja Pelzel von der Stiftung Naturschutz Berlin gesprochen. Als unser Hauptförderer ermöglicht die Stiftung zahlreiche Initiativen, die den ökologischen Wandel in unserer Stadt konkret erlebbar machen. Im Interview erklärt sie, wie klassischer Naturschutz und zirkuläres Wirtschaften ineinandergreifen, warum wirksamer Ressourcenschutz direkt vor der eigenen Haustür beginnt und welche Rolle Formate wie LOOPTOPIA bei der gesellschaftlichen Transformation spielen.
Die Stiftung Naturschutz Berlin steht ja traditionell für den Schutz von Biodiversität und städtischen Grünflächen. Wo sehen Sie die stärksten inhaltlichen Schnittmengen zwischen dem klassischen Naturschutz und einem stadtweiten Event für Kreislaufwirtschaft?
Svenja Pelzel: Naturschutz fängt direkt vor der Haustür an: bei der Pflege von Grünflächen, dem Schutz von Biotopen oder dem Erhalt naturnaher Lebensräume. Auch Kreislaufwirtschaft ist lokal besonders gut erlebbar: etwa durch nachhaltige Tauschbörsen, Reparaturinitiativen und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Zwischen Naturschutz und Kreislaufwirtschaft liegt ein gemeinsames Grundverständnis: Unsere natürlichen Ressourcen sind endlich. Ökosysteme müssen geschützt werden. Der Umgang mit Rohstoffen, Produkten und Konsumverhalten ist entscheidend für die Zukunft von Natur und Umwelt.
Während der klassische Naturschutz sich dafür einsetzt, Lebensräume und Artenvielfalt zu bewahren, fragt die Kreislaufwirtschaft danach, wie wir mit unserer Wirtschafts- und Lebensweise natürliche Lebensgrundlagen möglichst wenig belasten und Ressourcen schonen. Beides führt dazu, dass Menschen ökologische Zusammenhänge verstehen und daraus Konsequenzen für das eigene Verhalten ziehen können.
Ein berlinweites Kreislaufwirtschaftsevent mit Reparaturangeboten, Upcycling, Kleidertausch, Lebensmittelrettungsinitiativen und nachhaltiger Ernährung bietet dafür eine sinnvolle Plattform: Es zeigt, dass Ressourcenschutz ein greifbares Thema sein kann und schafft Netzwerke, in denen Akteur*innen an vielen Stellen gemeinsam wirken können. Wir als Stiftung fördern regelmäßig Projekte, bei denen es auch um die Vernetzung verschiedener Akteur*innen geht, mit unseren beiden Förderfonds Trenntstadt Berlin und Abfallberatung Zero Waste.
Initiativen zur Abfallvermeidung und der Wiederverwendung von Baumaterialien werden für wachsende Metropolen immer drängender. Welchen konkreten Beitrag muss die Kreislaufwirtschaft leisten, um die natürlichen Lebensräume und Ressourcen direkt hier in Berlin zu entlasten?
Wie viele Themen unserer heutigen Zeit hat auch das Thema Abfall nicht die! eine große Lösung für alle Probleme. Vielmehr ist die Kreislaufwirtschaft ein Bereich mit unzähligen Facetten. Und zur Ehrlichkeit gehört auch dazu, dass Abfall nicht immer dort die Probleme verursacht, wo er entsteht. Wenn wir in Berlin einen konkreten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten, entlastet dieser nicht automatisch die natürlichen Lebensräume und Ressourcen bei uns. Zum Beispiel für ein T-Shirt, das wir wiederverwenden, zu weniger Wasserverbrauch beim Baumwollanbau in der Türkei. Das macht es nicht weniger sinnvoll, aber vielleicht manchmal schwer zu vermitteln.
Ein wesentlicher Pfeiler Ihrer Stiftungsarbeit ist die praxisnahe Umweltbildung. Wie können dezentrale, interaktive Formate wie LOOPTOPIA dabei helfen, teils komplexe Konzepte der Kreislaufwirtschaft in die Breite der Zivilgesellschaft zu tragen?
Die Eine-Million-Euro-Frage ist, wie wir Menschen dazu bekommen, das eigene Handeln zu verändern. Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass es in der Regel nicht an mangelnden Fakten liegt. Jeder weiß, was man eigentlich machen sollte, aber tut es trotzdem nicht. Formate wie LOOPTOPIA können dazu beitragen, Wissen mit konkretem Handeln zu verbinden.
Die Transformation hin zu einer zirkulären Stadt erfordert ein tiefgreifendes Umdenken. Welche langfristigen Entwicklungen erhoffen Sie sich durch die gezielte Förderung von lokalen, innovativen Akteuren und Netzwerken, wie sie bei LOOPTOPIA zusammenkommen?
Wir als Stiftung Naturschutz Berlin fördern mit dem Förderfonds Trenntstadt Berlin und dem Förderfonds Abfallberatung Zero Waste kreative Projekte von zahlreichen Akteur*innen in dieser Stadt. Die Ideen, die dabei an uns herangetragen werden, sind extrem unterschiedlich und genau das macht ihren Reiz aus. So versucht beispielsweise ein Akteur über das Thema Fußball, neue Zielgruppen zu erreichen, ein Verein baut einen Zero Waste Supermarkt für Kinder nach, der nächste schult Multiplikator*innen oder gründet eine Repair-Akademie. So unterschiedlich die Herangehensweisen, so ähnlich das Ziel: langfristig das eigene Handeln überdenken und verändern.
LOOPTOPIA bringt im November verschiedene Initiativen, Pioniere und Bürger zusammen. Welchen zentralen Impuls oder konkreten Handlungsbedarf möchten Sie diesem Netzwerk aus Sicht der Stiftung für die gemeinsame Arbeit an der Zukunft unserer Stadt mitgeben?
Kreislaufwirtschaft ist mehr als Abfallvermeidung und Wiederverwertung. Sie ist auch aktiver Natur- und Ressourcenschutz. Jeder Rohstoff, der eingespart, jedes Produkt, das länger genutzt und jede Fläche, die vor unnötigem Ressourcenverbrauch geschützt wird, kann einen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen leisten. Lasst uns Berlin gemeinsam ressourcenschonender gestalten. Die Stadt von morgen entsteht durch das, was wir heute miteinander möglich machen.




