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Circular News Digest: August 2026
Was bewegt die Kreislaufwirtschaft in Berlin diesem Monat? Wir haben die neuesten politischen Updates, lokalen Berliner Initiativen und Innovationen der Kreislaufwirtschaft in den Bereichen Verpackung, Bauwesen, Elektronik und Textil für Sie zusammengestellt.
Neues aus der zirkulären Verpackung
vorbereitet von Casper van Alfen
Pilotprojekt für Mehrwegbecher in Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Erfolg!
Ein Jahr lang konnten Mehrweg-To-Go-Becher von Recup und Sykell in acht REWE-Supermärkten über reguläre Leergutautomaten zurückgegeben werden, wobei die Circular-ERP-Software von Sykell jeden Becher zwischen Rückgabe und erneuter Auslieferung nachverfolgte. Es funktioniert: 95 % der Nutzer bezeichneten die Rückgabe als praktisch, über 80 % würden sich für Mehrweg entscheiden, wenn die Rückgabe immer so einfach wäre. Die vollständigen Ergebnisse der DUH und der Kühne Logistics University finden Sie weiter unten.
Berliner Startup dotch gewinnt 24 große Hersteller für Mehrwegglas.
Dotch betreibt ein Full-Service-Mehrwegsystem für verpackte Lebensmittel in standardisierten Gläsern und Flaschen (z. B. für Öle, Essiggurken, Konfitüren etc.), die über bestehende Leergutautomaten zurückgegeben werden können. Nun stellen Kühne, Develey, Feinkost Dittmann und 21 weitere Hersteller ihre Gläser unter dem Motto „Glas kann mehrWeg“ auf den Pool von dotch um. Alle aus einem pragmatischen, aber sehr wichtigen Grund: Einwegglas wird schlichtweg zu teuer.
Die PPWR ist seit dem 12. August in Kraft.
Die Europäische Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) gilt für jede einzelne Verpackung auf dem EU-Markt; sie ist die größte Umgestaltung des europäischen Verpackungsrechts seit dreißig Jahren. Ein einziges Regelwerk, das in jedem Mitgliedsstaat direkt bindend ist. Dieser offizielle Auftakt ist erst der Beginn eines neuen Nachhaltigkeitskapitels in Europa: Die strengen Fristen (Recyclingfähigkeitsstufen, Rezyklatanteile, Mehrwegquoten) greifen zwischen 2027 und 2030. Der 12. August war jedoch nicht nur der Tag der PPWR: Am selben Tag trat auch Deutschlands neues VerpackDG in Kraft, das die EU-Verordnung in nationales Recht umsetzt und das alte VerpackG ablöst. Der größte Wandel liegt beim Recycling: Ab 2028 müssen die dualen Systeme 75 % der Kunststoffverpackungen recyceln, bis 2030 steigt dieser Wert auf 80 %. Erstmals zählt auch chemisches Recycling für die Quote (gedeckelt auf 5 %). Zum Verständnis: Derzeit liegen die Systeme bei Kunststoffen bei etwa 71 %, das Ziel ist also in Reichweite, aber kein Selbstläufer.
Neues aus dem zirkulären Bauwesen
vorbereitet von Jerry Popoola
Interview mit Sören Bartol zu den Schwerpunktthemen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie Deutschlands.
Im Anschluss an die Verabschiedung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie Deutschlands startet die Bundesregierung ein gezieltes Maßnahmenprogramm mit Schwerpunkt auf dem Bausektor. In einem aktuellen Interview erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär Sören Bartol (BMWSB), wie das Programm Stoffkreisläufe schließen soll. Zu den wichtigsten Initiativen gehören die Erweiterung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) auf die Rohstoffsouveränität, die Verhinderung, dass intakte gerettete Bauteile automatisch als Abfall eingestuft werden, und die Vereinfachung von Qualitätsüberwachungsregeln nach der Ersatzbaustoffverordnung. Darüber hinaus plant die Regierung, die Altholzverordnung zu aktualisieren, um der stofflichen Verwertung den Vorrang vor der Verbrennung zu geben und die Bundesförderung für effiziente Gebäude weiterhin an verbindliche Treibhausgas-Grenzwerte über den gesamten Lebenszyklus zu knüpfen.
Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26
Die Publikation aus dem vergangenen Monat liefert die erste datengestützte Orientierungshilfe für Deutschlands Übergang zu ressourceneffizientem Bauen über mehr als 4.500 Akteure der Branche hinweg. Die Ergebnisse bestätigen, dass das Bauen im Bestand zum primären Markttreiber in Deutschland geworden ist. So macht beispielsweise die Arbeit mit bestehenden Gebäuden 63 % der Projekte bei Architekturbüros, 55 % bei Ingenieurbüros und 84 % beim Ausbaugewerbe aus. Bei der Bewertung bestehender Gebäude entscheiden sich Planer in rund 75 % der Fälle für den Erhalt statt für den Abriss. Wird ein Abriss gewählt, sind in rund 60 % der Fälle Kosten und finanzielle Machbarkeit der Haupttreiber. Zu den Schlüsselfaktoren, die einen Abriss erzwingen, gehören hohe Kosten zur Erfüllung behördlicher Auflagen, gravierende bauliche/technische Mängel, die Einhaltung des Brandschutzes sowie die funktionale Unvereinbarkeit mit neuen Gebäudenutzungen.
Selektiver Rückbau in der Praxis auf dem ehemaligen AEG/Nixdorf-Areal in Berlin
Hinter der verspiegelten Fassade an der Gustav-Meyer-Allee in Berlin-Gesundbrunnen läuft der selektive Rückbau des ehemaligen AEG/Nixdorf-Geländes. Statt eines sofortigen Abrisses bauen die Arbeiter 40.000 m² Teppichfliesen und Doppelbodenplatten für die direkte architektonische Wiederverwendung aus, während 50.000 Tonnen Beton vor Ort zu hochwertigen Rezyklaten zerkleinert werden. Dadurch entsteht eine lokale Baustoff-Lieferkette bis ins Jahr 2027.
Updates aus der Industrie
BDI- & BCG-Studie: 880 Milliarden Euro Wachstumspotenzial für die deutsche Industrie
Eine Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass zirkuläre Geschäftsmodelle die jährliche Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland bis 2045 von 60 Milliarden Euro auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln könnten. Die Analyse von fünf Schlüsselsektoren (Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil) zeigt, dass die Skalierung der Kreislaufwirtschaft bis zu 880 Milliarden Euro an kumulierter Wertschöpfung generieren könnte. Zudem könnten 20–40 % der Importe strategischer Rohstoffe ersetzt und die industriellen Kohlenstoffemissionen erheblich gesenkt werden.
Updates aus der Zirkulären Ernährungswirtschaft
Zero Food Miles: REWE-Supermarkt baut Salat auf dem eigenen Dach an
In Berlin-Lankwitz wächst in Kooperation mit ECF Farmsystems frischer Salat auf dem Dach eines Rewe-Supermarktes und landet nach der täglichen Ernte direkt in den Regalen darunter. Hier hat Deutschlands größte Dachfarm nun ihren Betrieb aufgenommen. Die Pflanzen wachsen auf 2.760 Quadratmetern in einem automatisierten Hydroponik-System. Bewässert wird der Salat mit Regenwasser, das in einer Zisterne auf dem Dach gesammelt wird. Laut Rewe könnten dadurch rund 500.000 Transportkilometer im Vergleich zum Import von Waren aus Südeuropa eingespart werden.


