Circular News Digest: Juli 2026

Was bewegt die Kreislaufwirtschaft in Berlin diesem Monat?  Wir haben die neuesten politischen Updates, lokalen Berliner Initiativen und Innovationen der Kreislaufwirtschaft in den Bereichen Verpackung, Bauwesen, Elektronik und Textil für Sie zusammengestellt.


Start des Circular Economy Hub Berlin

Der neu gestartete Circular Economy Hub Berlin bietet eine kostenlose, frei zugängliche digitale Kompetenzplattform, die Unternehmen bei den ersten praktischen Schritten in Richtung Zirkularität unterstützen soll

Die Plattform bietet leicht verständliche Module, Erklärvideos, umfassende Leitfäden und Quizzes, die speziell auf den Geschäftsalltag zugeschnitten sind. Sie gibt klare Orientierung entlang der etablierten R-Strategien der Kreislaufwirtschaft und hilft Unternehmen dabei, genau den richtigen Startpunkt zu finden. Um den Schritt von der Theorie in die Praxis zu erleichtern, präsentiert der Hub reale, industrielle Good-Practice-Beispiele direkt aus Berlin.

Hier gehts zur Plattform: ce-hub.berlin


Das Potenzial des Elektroschrotts in unseren Schubladen nutzen

Mit geschätzten 170 bis 200 Millionen ungenutzten Smartphones und Tablets, die in deutschen Haushalten Staub ansetzen, schließen sich Deutsche Telekom, Interzero und missio Aachen zusammen, um diese urbanen Ressourcen zu erschließen. Sie haben die Telekom-Handysammelstelle neu gestartet, um das Haupthemmnis beim Elektronikrecycling anzugehen: die Bedenken der Verbraucher hinsichtlich der Datensicherheit.

Interzero steuert dabei die gesamte Logistikkette der Rücknahme. Das umfasst die zertifizierte Datenlöschung sowie eine professionelle Prüfung. So wird sichergestellt, dass die Geräte entweder für ein zweites Leben aufbereitet oder sicher recycelt werden, um wertvolle Metalle wie Gold und Silber zurückzugewinnen.

Für jedes gesammelte Gerät gehen 50 Cent an eine von zwölf Partnerorganisationen. Dazu gehört auch das katholische Hilfswerk missio Aachen, das mit den Geldern Familien in Ghana unterstützt, die in der Nähe der Elektroschrott-Müllhalde Agbogbloshie leben.

vorbereitet von Casper van Alfen


Potsdams Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen ist am 1. Juli in Kraft getreten. Der Druck auf Berlin steigt. 

Die Steuer gilt seit dem 1. Juli 2026 für alle Restaurants, Imbisse und Cafés mit To-Go-Angeboten. Wer Mehrweg nutzt, zahlt nichts. Ein Bündnis aus DUH, Mehrwegverband, Recup und 22 weiteren Organisationen fordert Berlin und andere brandenburgische Städte explizit auf zu folgen. Eine DUH-Umfrage zeigt, dass acht weitere brandenburgische Städte Interesse zeigen.

PPWR wird am 12. August vollumfänglich anwendbar.

Mit dem Inkrafttreten der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) stehen Unternehmen vor einer grundlegenden Neuausrichtung ihrer Prozesse. Dies betrifft nicht nur die Verpackungen selbst, sondern auch den Umgang mit Daten, Informationen und Lieferketten. Die PPWR deckt alle auf dem EU-Markt in Umlauf gebrachten Verpackungen ab – unabhängig von Material oder Herkunft. Ab diesem Datum benötigt jeder Verpackungstyp eine schriftliche EU-Konformitätserklärung, das PFAS-Verbot für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt tritt in Kraft und die Pflicht zur Minimierung beginnt. Unternehmen müssen Informationen entlang der Lieferkette standardisiert erfassen, dokumentieren und zur Verfügung stellen; die Daten müssen vollständig, korrekt und eindeutig sein.

Deutschlands Mehrwegquote bei Getränken bleibt weit unter dem Zielwert. 

Neue offizielle Zahlen, die diesen Juli veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Mehrwegquote bei Getränken im Jahr 2024 bei 34,5 % lag – ein minimaler Anstieg um 0,2 Punkte gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit einem Zielwert von 70 %. Der langfristige Trend schmerzt noch mehr: Seit Beginn der Pfandpflicht im Jahr 2003 ist die Quote von 63,7 % auf unter 35 % gefallen. Im Jahresvergleich haben sich zwar rund 94 Millionen Liter Getränke von Einweg- auf Mehrwegverpackungen verlagert, es bewegt sich also etwas – jedoch nur sehr langsam.

vorbereitet von Jerry Popoola


Berlins lokale Updates zum zirkulären Bauen

Der Berliner Senat hat im Mai das „Gesetz für einfaches Bauen“ (GEB) beschlossen. Als Maßnahme zur Wohnraumschaffung und Kostenreduzierung für bezahlbaren Wohnraum in Berlin konzipiert, ist die Gesetzgebung auf die Geschwindigkeit und das Volumen von Neubauten ausgelegt, wirkt sich aber auch auf die Neunutzung bestehender Strukturen aus. Projekte, die eine Umnutzung oder Dachgeschossausbauten beinhalten, sind von modernen thermischen, akustischen und schwingungstechnischen Nachrüstungsauflagen für bestehende Gebäudeteile ausgenommen. Die primäre Auswirkung für den zirkulären Sektor besteht darin, dass die Bestandstransformation administrativ vereinfacht wird, was die regulatorischen Bedingungen für den Rückbau verändert. Schließlich kodifiziert dieser Rahmen den „Gebäudetyp E“ und etabliert eine legally anerkannte Kategorie für „einfaches und experimentelles“ Bauen.

TU Berlin macht Fortschritte mit dem B(e) Ware Hub

Das Reallabor B(e) Ware unter der Leitung des Natural Building Lab der TU Berlin zusammen mit ZRS ist in die Umsetzungsphase eingetreten. Das Testfeld erweitert seinen Umfang von Bauholz auf sekundäre Bauteile wie wiederverwendete Stahlträger. Gerettete Materialien von regionalen Abbruchbaustellen werden an einem zentralen Material-Hub in Spandau katalogisiert und aufbereitet, um eine Lieferkette für Tragwerke aufzubauen. Um Konzepte für Schadstoffdiagnostik und Regeltreue zu testen, setzt das Projekt diese Sekundärstrukturen in drei lokalen Pilotbauten um: dem Museumspavillon TULIUM (Charlottenburg), einer DLRG-Wasserrettungsstation am Müggelsee und einer Werkstatteinrichtung in Lichtenberg. 

Low-Tech Holz-Lehmbau Campus steht vor der Fertigstellung

In Weißensee stehen das Architekturbüro Sauerbruch Hutton und der Entwickler B&O Bau vor der Fertigstellung des Holz-Lehmbau Campus Berlin (HLCB) – ein Projekt, das als Reallabor für zirkuläres Low-Tech-Bauen fungiert. Das Projekt nutzte die vorhandenen Betonflächen des Standorts, indem diese zersägt und zu neuen Fundamenten aufgeschichtet wurden, um den Einsatz von neuem Beton zu reduzieren. Die auf Rückbaubarkeit ausgelegte Struktur nutzt lokales Kiefernholz, Stroh und eine klebstofffreie Holz-Lehm-Hybriddecke, die zusammen mit Bauhaus Erde entwickelt wurde. Das Gebäude reguliert sein Klima über passive Low-Tech-Systeme.


Berliner KI-Textilsortier-Startup reverse.fashion erhält Siebenstelligen Betrag

Das Berliner KI-Startup reverse.fashion hat sich eine siebenstellige Erweiterung seiner Pre-Seed-Finanzierungsrunde durch den High-Tech Gründerfonds (HTGF) gesichert. Das im Juli 2026 bekannt gegebene Investment zielt darauf ab, einen zentralen Engpass in der textilen Kreislaufwirtschaft durch die Skalierung der automatisierten Sortiertechnologie des Unternehmens zu beheben.

reverse.fashion entwickelt KI-basierte Systeme, die mithilfe von Computer Vision, maschinellem Lernen und moderner Sensortechnik Secondhand-Kleidung automatisch erfassen und digitalisieren. In Echtzeit analysiert das System die Stücke dabei nach Kriterien wie Material, Zustand, Marke und Stil.

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