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Fachbericht: Skalierung der Reparatur und Wiederverwendung in urbanen Räumen
Wie zirkulär gehen wir in Berlin wirklich mit unserer Kleidung um? Und was muss passieren, damit Textilien länger getragen und repariert werden, anstatt vorzeitig als Müll zu enden?
Ab sofort online: Unser neuester Fachbericht ‚Skalierung der Reparatur und Wiederverwendung von Textilien in urbanen Räumen‘. Diese Publikation fasst die Ergebnisse aus den Projekten SOLSTICE, Textile Journeys und dem A-Gain Guide der Jahre 2024 und 2025 zusammen. Die Studie stellt die aktuelle Lage des urbanen Textilsektors dar und formuliert konkrete wirtschaftspolitische Empfehlungen, die zwar auf berlinspezifischen Daten basieren, aber auf andere Städte und Kommunen in Europa übertragbar sind.

Warum Textilien?
Der schnelle und übermäßige Konsum von billiger Fast Fashion führt zu immer größeren Mengen an textilem Abfall. In Berlin fallen jährlich pro Kopf über 18 kg Alttextilien an. Die geschätzten Klimaauswirkungen durch diese Alttextilströme belaufen sich in der Hauptstadt auf 605.000 Tonnen CO² Äquivalente pro Jahr. Das entspricht rund 4% der gesamten CO² Emissionen der Stadt. Die textile Sammel- und Sortierbranche gerät an ihre Grenzen, und gleichzeitig steht das lokale textile Handwerk unter enormem Druck, da das Preisgefälle zu neuproduzierter Billigmode die Nutzung nachhaltiger Alternativen wie Reparaturen extrem erschwert.
Was steht in dem Bericht?
Der Fachbericht liefert einen tiefen Einblick in die systemischen Herausforderungen und Potenziale der textilen Kreislaufwirtschaft auf lokaler Ebene:
- Konsumverhalten & Barrieren: Erkenntnisse aus einer Online-Befragung zeigen auf, dass strukturelle Barrieren wie Preis, Zeitmangel und fehlende Zugänglichkeit Konsument:innen oft noch davon abhalten, Reuse-Lösungen im Alltag zu nutzen.
- Textiler Abfall auf den Straßen: Daten aus dem Projekt „Textile Journeys“ belegen einen hohen Ressourcenverlust durch unachtsames Entsorgen. Die Analyse zeigt, dass ein Großteil der weggeworfenen Kleidung durch einfache Reparatur- oder Upcycling-Maßnahmen weiter nutzbar wäre.
- Faire Preisgestaltung & lokales Handwerk: Der Bericht beleuchtet die wirtschaftliche Realität von Reparaturbetrieben und stellt die Entwicklung des “FAIR PRICE CHECKS” vor, um die lokale Reparaturbranche langfristig zu sichern.
- Klimawirkung kalkulieren: Ergebnisse aus der Entwicklung eines CO² Kalkulators verdeutlichen, wie effektiv Emissionen durch die Wahl von Reuse-Kanälen anstelle von Neukäufen eingespart werden können.
- Strategische Handlungsfelder: Circular Berlin formuliert drei zentrale Schwerpunkte für Politik und Verwaltung: 1. Den Ausbau der Reuse-Infrastruktur als Hebel für den Klimaschutz, 2. die Schaffung fairer Rahmenbedingungen für Reparaturbetriebe und 3. die Stärkung von Reuse als soziale Praxis durch gemeinschaftliche Formate.

Weichen stellen für eine resiliente urbane Textilwirtschaft
Unsere Analysen unterstreichen, dass urbane Räume wie Berlin als Treiber der zirkulären Textilwirtschaft fungieren müssen. Instrumente wie die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) bieten Städten die enorme Chance, Reuse gezielt zu fördern, Abfallmengen zu verringern und die Klimaneutralität voranzutreiben.
Ob Sie politische Entscheidungsträger:in, Inhaber:in eines Reparaturbetriebs oder an Nachhaltigkeit interessierte Bürger:in sind, dieser Bericht dient als fundierter Leitfaden, um Reuse als wirksamen Hebel für Klimaschutz, Ressourcenschonung und soziale Teilhabe in unserer Stadt zu etablieren.


