Was haben ein frisch gebackenes Croissant und eine Stahlbetonwand gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch beide sind Produkte ressourcenintensiver Systeme, die lange auf Effizienz statt auf Kreislaufwirtschaft optimiert waren. Nachdem wir uns imersten Blogpostmit zirkulären Ernährungssystemen an der Emil-Fischer-Schule beschäftigt haben, haben wir Fit for Circular Economy (FFCE) auf einen weiteren Schlüsselsektor ausgeweitet: das Bauwesen.
Mit FFCE bringen wir Prinzipien der Kreislaufwirtschaft direkt in die Berliner Berufsschulen – dorthin, wo zukünftige Baufachkräfte ausgebildet werden und wo Materialentscheidungen und Baupraxis von Anfang an erlernt werden.
Warum das Bauwesen für die Kreislaufwirtschaft zentral ist
Das Bauwesen zählt weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen. Es ist für rund 50 % des globalen Rohstoffverbrauchs sowie einen erheblichen Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein großer Teil dieser Umweltwirkungen entsteht bereits vor der Nutzungsphase eines Gebäudes – durch Materialherstellung, Bauweisen und Systementscheidungen.
Zirkuläres Bauen beginnt daher lange vor dem Recycling. Entscheidend ist, wie Materialien ausgewählt, wie Bauteile verbunden und wie Gebäude für Nutzung, Veränderung und Rückbau konzipiert werden.
Das Klassenzimmer als Realitätscheck für die Baustelle
In December 2025, twelve apprentices in reinforced concrete construction at the Max-Bill-Schule in Berlin took part in an eight-block teaching programme on circular construction. The objective was not to raise awareness of sustainability, but to analyse where circular strategies succeed or fail in real construction practice.
Das Programm orientierte sich am Lebenszyklus von Gebäuden und typischen Bauprozessen, mit Fokus auf:
- Lebenszyklusdenken statt isolierter Einzelmaßnahmen
- Materialstrategien statt einfacher „gut“-/„schlecht“-Bewertungen
- konkrete Konstruktionsdetails und Praxisbeispiele
Block 1& 2: Einführung in die Kreislaufwirtschaft und Lebenszyklusdenken im Bauwesen
Der Auftaktblock, gemeinsam gestaltet mit Tobias Jänicke (FH Potsdam), schuf ein gemeinsames Verständnis von Kreislaufwirtschaft im Baukontext. Lebenszyklusdenken wurde als praktisches Entscheidungsinstrument vermittelt, nicht als theoretisches Modell. Durch das Planspiel RE:Build, durchgeführt von Christian Schlimok (Novamondo), erlebten die Auszubildenden, wie Planungs- und Bauentscheidungen die Umweltwirkungen eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg beeinflussen.

Block 3 & 4: Zirkuläre Materialien und Baupraxis
Ein zentrales Lernergebnis war, dass Zirkularität selten von einem einzelnen Material abhängt. Beton, Stahl, Holz, Dämmstoffe und Kleber haben jeweils Stärken und Schwächen. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel. Der Block wurde gemeinsam mit Prof. Patrick Teuffel konzipiert und durch fachliche Impulse von Hoang Anh Nguyen (ecolocked) ergänzt.
Die Auszubildenden analysierten:
- erneuerbare und biobasierte Materialien und ihre Grenzen
- mineralische und metallische Materialien und ihre weiterhin zentrale Rolle
- mineralische und metallische Materialien und ihre weiterhin zentrale Rolle
Statt Beton pauschal zu problematisieren, lag der Fokus auf Materialeffizienz, Recyclingzuschlägen, Optimierung und Wiederverwendungspotenzialen. Biobasierte Materialien wurden ebenso kritisch betrachtet, etwa im Hinblick auf Brandschutz, Feuchteverhalten, Normierung und Marktverfügbarkeit.
Eine zentrale Erkenntnis prägte diesen Block: Zirkularität entscheidet sich auf der Baustelle – im Detail der Verbindung.
Ob Bauteile wiederverwendet werden können oder zu Abfall werden, hängt oft ab von:
- mechanischen statt geklebten Verbindungen
- trockenen statt nassen Bauweisen
- modularen und vorgefertigten Systemen
- trennbaren Schichten und dokumentierten Aufbauten
Für viele Auszubildende bedeutete dies einen Perspektivwechsel: Zirkularität wurde von einem politischen Ziel zu einer konkreten handwerklichen Verantwortung.

Block 5: Bauen im Bestand
Das Bauen im Bestand wurde als eine zirkuläre Strategie unter mehreren behandelt. Gemeinsam mit Janna Schlender wurde das Beispiel Impact Hub Berlin betrachtet. Sanierung, Anpassung und Umnutzung standen im Mittelpunkt, ebenso wie reale Rahmenbedingungen.
Untersucht wurden unter anderem:
- Untersucht wurden unter anderem:
- rechtliche und regulatorische Anforderungen
- widersprüchliche technische Anforderungen
- Koordination zwischen verschiedenen Gewerken
Gleichzeitig wurde deutlich, warum Bestandsgebäude eine zentrale Rolle spielen: Sie enthalten bereits große Mengen an Material, Energie und Arbeitsleistung. Viele zirkuläre Strategien setzen genau hier an – durch Nutzungsverlängerung und Anpassungsfähigkeit.
Block 6: Industrielle Perspektive und Materialproduktion
Exkursion zu CEMEX Deutschland AG, geführt von Thomas Zohm
Der Besuch bei CEMEX Deutschland AG konfrontierte die Auszubildenden mit der industriellen Realität der Baustoffproduktion. Zement und Beton wurden nicht als abstrakte Klimaprobleme diskutiert, sondern als unverzichtbare Materialien mit großem Optimierungspotenzial. Themen waren unter anderem alternative Bindemittel, Recyclingzuschläge und Prozessoptimierung – und damit sowohl Grenzen als auch Chancen industrieller Transformation.



Block 7 & 8: Wiederverwendung und Recycling
Wiederverwendung und Recycling wurden bewusst am Ende des Kurses behandelt. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Recycling nicht der Ausgangspunkt zirkulären Bauens ist, sondern eine Fallback-Option, wenn frühere Entscheidungen Wiederverwendung verhindern. Der Block konzentrierte sich auf realistische Wiederverwendungspotenziale und bewährte Praxisbeispiele, vermittelt durch Prof. Patrick Teuffel und seine Arbeit im ReCreate-Projekt. Anschließend testeten die Auszubildenden ihr zirkuläres Wissen in einer praktischen Übung, unter anderem anhand von Erkenntnissen aus dem Ring-Berlin-Projekt.

Warum berufliche Bildung wichtiger ist als Leitfäden
Rückmeldungen von Lehrkräften und Auszubildenden zeigten ein wiederkehrendes Problem: Wissen zu zirkulärem Bauen verbleibt häufig in Planungsbüros, Strategiepapiere oder Pilotprojekten. Auf der Baustelle dominieren weiterhin etablierte Routinen. Die berufliche Bildung ist ein entscheidender Hebel, weil sie nah an der Ausführung ansetzt. Auszubildende montieren, verbinden, dichten ab und bauen zurück. Wenn zirkuläres Bauen nicht Teil ihrer beruflichen Logik ist, lässt es sich nicht skalieren.
Lehrkräfte betonten zudem den hohen Wert praxisnaher, expertengestützter Unterrichtsmaterialien, die komplexe Themen wie Lebenszyklen, Wiederverwendung und zirkuläre Konstruktion in den Schulalltag integrierbar machen. Wichtig dabei: Zirkularität wurde nicht als Zusatzfach eingeführt, sondern in bestehende Lernziele eingebettet.
Eine zentrale Herausforderung bleibt bestehen. Viele Auszubildende berichten, dass sie ihr Wissen im Betrieb nur schwer anwenden können, wenn Ausbilder, Bauleiter oder Entscheidungsträger nicht mit Prinzipien des zirkulären Bauens vertraut sind.
Eine zentrale Herausforderung bleibt bestehen. Viele Auszubildende berichten, dass sie ihr Wissen im Betrieb nur schwer anwenden können, wenn Ausbilder, Bauleiter oder Entscheidungsträger nicht mit Prinzipien des zirkulären Bauens vertraut sind.
Zirkuläres Bauen ist eine Kompetenz – und sie ist erlernbar
Die Erfahrungen an der Max-Bill-Schule zeigen, dass zirkuläres Bauen weder abstrakt noch unrealistisch ist. Es ist eine konkrete berufliche Kompetenz, basierend auf Materialwissen, Konstruktionslogik und fundierten Entscheidungen. Wenn das Bauwesen zirkulärer werden soll, muss Nachhaltigkeit dort vermittelt werden, wo gebaut wird – nah an Materialien, Details und realen Rahmenbedingungen.
Wir knüpfen an diese Ergebnisse an und planen die nächsten Schritte:
- Evaluation & Optimierung: Auswertung beider Pilotdurchläufe und gemeinsame Finalisierung der Materialien mit den Lehrkräften, inklusive grafischer Aufbereitung
- Skalierung: Ansprache weiterer Berliner Berufsschulen und Ausbau der Kooperation mit Bildungsplattformen
- Abschlussveranstaltung: Einladung unserer Partner (IHK Berlin, Senat WEB, FH Potsdam, Emil-Fischer-Schule und Max-Bill-Schule) zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung im Sommer
Lasst uns Bauen neu denken. Lasst uns vorhandene Werte erhalten. Lasst uns Berlin zirkulär machen.
Wenn Sie mehr über die Umsetzung des Projekts an der Emil-Fischer-Schule erfahren möchten, lesen Sie gerne unseren vorherigen Blogpost: “Aus dem Boden auf den Teller – und wieder zurück: Berlins Weg zu einem zirkulären Ernährungssystem“.