Die Diskussion „Was brauchen wir für ein Circular Berlin?“

Die Diskussion „Was brauchen wir für ein Circular Berlin?“

Läuft alles rund in Berlin? Eine Diskussion zur Kreislaufwirtschaft in der Hauptstadt

Die Open Source Circular Economy Days 2018 (#OSCEdays) brachten die Diskussion um die Zukunft der Kreislaufwirtschaft der deutschen Hauptstadt zum EUREF-Campus. Was brauchen wir für ein „Circular Berlin“? Diese Frage stellte sich Dina Padalkina, Gründerin von Circular Berlin.

Kooperation, Kooperation, Kooperation

Schnell wurde deutlich, dass ein zirkuläres Berlin nur aus hunderten, wenn nicht tausenden, kleinen Projekten entstehen wird, die ineinandergreifen. So hatten die Diskussionspartner allesamt Ideen aus ihrem eigenen Bereich, wie z.B. Grit Bürgow, Dozentin an der TU Berlin, die mit ihrem Projekt „Roof Water Farm“ bewiesen hat, dass Wasserkreisläufe innerhalb der Stadt eine hohe Qualität erreichen können. Selbst Toilettenwasser kann als Dünger, z.B. für Urban Farming Projekte genutzt werden. „Der Schlüssel zur Zirkularität sind die Quartiere,“ betont sie. Zudem sind sie der ideale Ort, um Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen. Kooperationen auf Quartiersebene sind daher existentiell. Doch Christine Sauer, Geschäftsführering von BAUFACHFRAU Berlin e.V., betonte auch, dass bereits heute sehr stadtteilbezogen in Berlin agiert wird, die stadtteilübergreifende Vernetzung jedoch ausgebaut werden müsse.

OSCE days Diskussion zur Kreislaufwirtschaft

Es braucht neue Modelle, intelligente Konsumenten und die gute alte Politik

„Wir brauchen einen kompletten Systemwechsel!“ meint Jörg Finkbeiner, Architekt und Cradle-to-Cradle Consultant bei Partner und Partner Architekten. Schließlich haben wir noch nicht gelernt mit den auf der Erde verfügbaren Stoffen umzugehen und ehrliche Ökobilanzen zu erstellen. Nicht jedes „Öko-Gimmick“ ist nachhaltig: Intelligente Konsumenten sollten hinterfragen, ob die schicke Greenwall möglicherweise nicht doch eine desaströse CO2-Bilanz hat. Doch Frieder Söling vom Ideenlabor der BSR glaubt nicht an den Konsumenten: „Der Müll ist seit 50 Jahren nicht weniger geworden“. Debatten um eine mögliche städtische Kreislaufwirtschaft, oder gar um das Stichwort „Zero Waste“ sind zwar förderlich, doch ohne die gute alte Politik wird es nicht gehen: „Es braucht neue Rahmenbedingungen“, meint er. Schließlich kann die Gesetzgebung entscheidend dabei helfen, schlechte Recyclingeigenschaften einzupreisen und damit unnachhaltige Produktionspraktiken unwirtschaftlich zu machen. Zudem kann die Politik aktuelle gesetzliche Hindernisse abschaffen, z.B. beim zirkulären Bauen, betont Jörg Finkbeiner.

Die Grenzen der Zirkularität: Nicht jede lokale Lösung ist nachhaltig

Werden wir anfangen Straßenbäume für den urbanen Möbelbau abzuholzen? Sicherlich nicht. Nicht jeder lokale Kreislauf ist sinnig, und es ist wichtig die CO2-Bilanz genau zu studieren bevor man vorschnelle Einschätzungen macht. So stellt Frieder Söling von der BSR klar, dass lokale Biogasanlagen wegen der hohen Emissionen und der komplizierten Filteranlagen nur bedingt zu einer zirkulären Stadt beitragen können. Selbst das Kompostieren unterliegt, überrascht er, bei einer ehrlichen CO-Bilanz dem „thermischen Recycling“ (Marketingdeutsch für „Verbrennung“). Zirkuläre Ansätze müssen daher immer auch auf ihren tatsächlichen Umweltnutzen geprüft werden.

OSCEdays Diskussion zur Kreislaufwirtschaft

Der nächste Schritt: Es braucht eine Story

Auch wenn sich die Runde über die Macht der Politik bei der Umsetzung eines Circular Berlin einig zu sein scheint, zeigt Wolfgang Remmers, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Finanzen der Grünen Berlin, dass es schwierig sein wird die Politik für die lokale Kreislaufwirtschaft zu gewinnen: „Es gibt zuviele kleine Projekte“, klärt er auf: da hat es die Politik schwer anzusetzen. Sichtbare Leuchtturm-Projekte sind gefragt, aber auch die Bürger der Stadt: „Konfrontiert sie [die Politiker] mit tollen Ideen!“. Es müsse vielmehr von außen gefordert werden, damit die Politik auf Rufe nach einem Circular Berlin reagiert. Und diese Rufe werden besser verstanden, wenn sie gut verpackt sind: „Strategie is boring. Es braucht eine Story. Die hat Berlin nicht“, provoziert Frieder Söling. Diese Story hat Berlin noch nicht. Seine Idee: Berlin zu ersten zirkulären Messe-Stadt machen. Schließlich ist die Berliner Messegesellschaft Berlin ein Unternehmen der Stadt. Diese Idee ist möglicherweise der erste Satz einer tollen Geschichte. Und diese braucht man für die Entstehung eines Circular Berlin dringend.

Die Diskussion „Was brauchen wir für ein Circular Berlin?“ fand während der OSCE-Days am 15. Juni im InnoZ-Forum(EUREF-Campus) in Berlin statt. Gefördert von EIT Climate-KIC.

 

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